LinkedIn-Chef Jeff Weiner meint: Für Google+ gibt es gar keinen Platz mehr in der Landschaft der Sozialen Netzwerke. Einfacher Grund: Die Leute haben für Google+ keine Zeit mehr, weil sie sich ja schon um LinkedIn, Twitter und Facebook kümmern müssen.
Das klingt erstmal logisch, ist meiner Meinung nach aber nur halb richtig. Sicher, es kostet manchmal verdammt viel Zeit, auf Facebook, LinkedIn (bzw. bei uns eher XING) und Twitter auf dem Laufenden zu bleiben. Das bedeutet aber noch lange nicht, das für Google+ keine Zeit mehr bleibt.
- Praktische Tools wie z.B. Yoono ermöglichen durchaus eine Gleichzeitigkeit verschiedener sozialer Dienste. Und das ist ja schon ein alter Hut. Wer weiss jetzt schon, was künftige Tools und neue Schnittstellen der Netzwerkbetreibern an Interaktionsmöglichkeiten und Usability und damit Zeitersparnis bieten.
- Gehen wir aber dennoch von einem begrenzten Zeitbudget aus, warum sollte ausgerechnet bei Google+ weniger Zeit verbracht werden? Viel wahrscheinlicher ist doch, das die zusätzliche Zeit und Aufmerksamkeit für Google+ – sofern überhaupt tatsächlich nötig – von anderen Medien (Fernsehen, Radio, Zeitung) abgezwackt wird.
- Vielleicht ist bei Jeff Weiners Einschätzung auch der Wunsch Vater des Gedankens: Die gesellschaftlichen Trends zeigen doch, dass sich Beruf und Freizeit sowohl zeitlich wie auch auf sozialer Ebene immer stärker miteinander vermischen. Welche Auswirkungen wird dies auf ein monothematisches Karrierenetzwerk haben? Schon jetzt fällt es mir schwer, Kontakte in Netzwerken in privat oder beruflich zu unterscheiden. Ist dieser kleine Aufsatz nun eine Äußerung des privaten Franks, der sich einfach so für G+ interessiert, oder von Frank dem Grafiker, der sich aus beruflichen Gründen für neue Medien interessiert (interessieren muss)? Ist die Zeit dafür schon Freizeit oder noch Arbeit? Die Frage ist im Grunde überflüssig, nicht mehr zeitgemäß. Das Leben tickt heute anders.
Diese Entwicklung wird sich auch auf den sozialen Netzwerken wiederspiegeln. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, sehe ich daher eher die eindimensional auf rein berufliche Karrierekontakte eingeschränkten Netzwerke wie LinkedIn bzw. XING auf dem absteigenden Ast.